Ob Kommunikation doch keine Glückssache ist und sie Naturprinzipien folgt?

Am 24.12.17 habe ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich die Hypothese aufgestellt habe, dass 5 Mitglieder in einem Team optimal sind und dieses anhand der Anzahl Kommunikationsteilnehmer und -Verbindungen hergeleitet. Conny Dethloff hat dazu auf seiner Reise des Verstehens, zwei Artikel dazu verfasst, in denen er eine mathematische Herleitung dazu aufzeigt. Die beiden Artikel finden Sie hier:

Conny ist Mathematiker, daher sollte klar sein, warum er die Hypothese mathematisch modelliert und beweist. Ich hingegen habe industrielle Informationstechnik und Automatisierungstechnik studiert und in diesem Kontext (Industrie 4.0, selbstorganisierte technische Systeme) 7 Jahre geforscht. Daher sollte klar werden, warum meine Argumentation über Kommunikationsverbindungen, -Teilnehmer, Netzwerke, Daten – und Informationsverarbeitung hergeleitet ist.

In meinem heutigen Artikel möchte ich darauf eingehen, wie die Informationsverarbeitung des menschlichen Gehirns funktioniert und werde dieses auf das soziale Netzwerks eines Teams anwenden und modellieren. Vorab in destilierter Form Conny’s Ergebnisse:

Danke Björn – Oder warum Kommunikation im Team Glückssache ist!

Darin schreibt Conny, dass bei 5 Teilnehmern, die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Kommunikation bei 0,977% liegt. Bei 6 Teilnehmern nur noch bei 0,046%. Wir brauchen uns die Zahlen > 6 nicht weiter anschauen. Dennoch, schauen wir uns aber mal an, wie groß die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche Kommunikation bei 4 Teilnehmern ist: 9,375%. Das ist schon das 10-fache als bei 5 Teilnehmern. Warum ist das so? Dazu hatte ich vor zwei Jahren einen Artikel geschrieben, jedoch anhand einer anderen Herleitung. Der Artikel lautete: 4 gewinnt – die Teamgröße machts. In Warum sind Agile Teams produktiver? hat Uwe Valentini beschrieben, dass dieses Phänomen auf zwei Faktoren zurück zu führen ist:

  1. Motivationsprobleme und
  2. Koordinationsaufwand

Alleine schon an der Anzahl möglicher Verbindungen erkennen wir, dass der Koordinationsaufwand exponentiell steigt, je mehr Teilnehmer dabei sind. Dieses habe ich nun seit 2,5 Jahren in vielen Besprechungen beobachtet. Es sind immer wieder nur 4-5 Leute die diskutieren. Egal ob da 7 sitzen oder 12. Hoch interessant und man sieht ja auch, ob die Menschen mental noch dabei sind oder über andere Dinge nachdenken.

Kommunikation ist Er-, Be-, Ver- und Entsetzung

Darin beschreibt Conny vier Arten der Kommunikation – Er-, Be-, Ver- und Entsetzung – und berechnet die Wahrscheinlichkeit, dass im Team Neues entsteht. Er beweist in dem Beitrag die Hypothese, dass der Erfolg und Entstehen von Neuem im Team durch die Anzahl von Kommunikationswegen abhängig ist. Wiederum belegt er die Hypothese, dass 5 die optimale Anzahl an Kommunikationsteilnehmern ist, da hier die Wahrscheinlichkeit bei 10% liegt.

Dazu möchte ich nun ein weiteres Modell hinzufügen, dass des Netzwerks, der (a)symmetrischen Kommunikationsverbindungen in einem sozialen Netzwerk darstellt.

Einleitung

Gedächtnisforschung und Kurzzeitgedächtnis

„Die Natur des Gehirns, im speziellen das Kurzzeitgedächtnis, ist nicht darauf ausgelegt, viele Informationen gleichzeitig zu verarbeiten und abzuspeichern. Miller hat 1956 die Hypothese aufgestellt, dass der Mensch 7+-2 Informationseinheiten in seinem Kurzzeitgedächtnis aufnehmen kann. Verschiedene Studien belegen dieses oder gehen sogar noch einen Schritt weiter, dass das Kurzzeitgedächtnis lediglich in der Lage ist, zwischen 3-5 Informationseinheiten zu verarbeiten bzw. zu speichern. Dieses wurde unter anderem in der Studie von Nelson Cowans aus dem Jahr 2001 (The Magical Number 4 in Short-Term Memory: A Reconsideration of Mental Storage Capacity) beschrieben.“ Auszug aus: 4 Gewinnt – Die Teamgröße macht’s

Nehmen wir diesen Ball auf und gehen von der Annahme aus, dass es eine Kausalität zwischen erfolgreicher Teamkommunikation, dem entstehen von Neuem, dem Gehirn, der Anzahl Kommunikationsteilnehmer (5) und der Anzahl an Kommunikationsverbindungen (4) gibt. Dieses möchte ich anhand eines Netzwerk-Modells illustrien.

Netzwerk-Modell

Schauen wir uns das einmal bildlich an. Wenn zwei Menschen kommunizieren, existiert 1 Kommunikationsverbindung, die wiederum 4 parallel Datenkanäle besitzt.

Kognition Kommunikation 1

 

Wenn wir uns das nun einmal in einem Team von 5 Mitgliedern anschauen, dann sieht die Kommunikation zu einem Zeitpunkt t wie folgt aus, wobei immer nur 2 geichzeitig symmetrisch kommunizieren können.

Kognition Kommunikation 2

 

Im nächsten Moment t+1 sieht es dann wie folgt aus, wenn 1 Teilnehmer bleibt und 1 Teilnehmer wechselt:

Kognition Kommunikation 3

Wenn wir nun einmal die potentiellen Verbindungen bildlich darstellen, erkennen wir wie viel Aufwand die Koordination bedeutet und dass es zu Motivationsverlusten führt, wenn jeder einzelne nochmehr Verbindungen koordinieren müsste.

Kognition Kommunikation Netzwerk

Anhand des Beispiels und der Illusatration der Verbindungen und Datenkanäle, kombiniert mit dem Wissen, dass das Kurzzeitgedächtnis die eingehenden Daten auf 3-5 Informationseinheiten verteilt, sollte ersichtlich werden, dass es sein könnte, dass Kommunikation und entstehen von Neuem, doch nicht reine Glückssache ist, sondern gewissen Naturprinzipien unterliegt. Auf Basis des Modells kann man nun anfangen an der Kommunikation im allgemeinen, an der Kultur und dem Verhalten arbeiten, z.B. achtsames sprechen und achtsames zuhören oder durch gewaltfreie Kommunikation, wodurch wir die Wahrscheinlichkeit gelungener Kommunikation noch einmal erhöhen könnnen.

Herzlichst

Ihr Björn Czybik

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